Die Ration verstummte 1970 — doch ihr Geist lässt sich noch trinken. Sechs Abfüllungen führen die Geste des Tot fort: der Verschnitt mehrerer Inseln, abgefüllt in Navy strength.
Der letzte Tot, ausgeschenkt am 31. Juli 1970, nahm den
Geschmack des Marinerums nicht mit sich. Dieser Geschmack — ein dunkler Verschnitt von Rums
mehrerer Inseln, hoch im Alkohol — überlebte das Ende der Ration und inspiriert die
Abfüller bis heute. Man findet ihn heute in zwei Formen wieder.
Auf der einen Seite Hommage-Marken, die den Navy-Stil
auf ihre Weise neu zusammensetzen: dieselben Herkünfte, derselbe Bordgehalt, derselbe
kernige Charakter. Auf der anderen wiedergefundene authentische Fässer und
Flaschen — Dienstrums mit dem Stempel Royal Navy oder R.A.S.C —, Jahrzehnte später
neu abgefüllt. Hier sechs Wegmarken, von den seltensten bis zu den zugänglichsten, für
alle, die schmecken wollen, was der Rum der Marine im Kern war.
Die Marke entstand 2007 aus einer Begegnung: Ein Veteran der Royal Navy zeigte Sukhinder
Singh eine echte Flasche Rationsrum aus jener Zeit — eine Imperial Gallon in glasiertem
Steinzeug, noch mit Wachs versiegelt. Aus diesem Schatz entstand das Last Consignment,
ein Verschnitt von Rationsrums der 1950er Jahre und von 1970, abgefüllt mit 54,3 % in rund
dreitausend Flaschen. Seither enthüllt das Haus an jedem 31. Juli eine Master Blender's
Reserve mit 54,5 %, signiert von Kellermeister Oliver Chilton. Der Jahrgang 2022 vermählt
vier regionale Super-Verschnitte — Jamaika, Barbados, Guyana, Trinidad — um eine der
Champagner-Methode entlehnte „ewige Reserve“, ausgezeichnet mit einem Rum Trophy der IWSC.
Diese Abfüllung ist die Frucht einer Zusammenarbeit zwischen Velier und dem Sammler
Giuseppe Begnoni. Es handelt sich um einen jamaikanischen Rum von 1954, abgefüllt mit 53°, in
einer Serie von kaum achtundfünfzig Flaschen. Die Geschichte steckt im Kürzel R.A.S.C: Als die
Marine 1980 ihre militärischen Steinzeugflaschen abgab, wurden sechs davon, gestempelt vom
Logistikkorps, zurückgekauft und 2017 zu einem einzigen Verschnitt vereint. Das Profil, ganz
Zurückhaltung, entfaltet Leder, hellen Tabak, Tonkabohne, gekochte Früchte und dunkle
Schokolade. Eine zweite Edition (Batch 2) folgte, ebenfalls erhältlich.
Diese Sammlerkassette des polnischen Abfüllers Colours of Rum (Wealth Solutions)
versammelt zehn Abfüllungen jamaikanischer Rums, die einst für die Royal Navy bestimmt waren.
Die Jahrgänge reichen von 1953 bis 1970, mit Alkoholgehalten zwischen 51,7 und 53,9° je nach
Flasche. Ein köstliches Detail für Geschichtsliebhaber: Jedes Etikett nennt den Hafen, in den
der Rum verschifft werden sollte — Antwerpen, Hamburg, Berlin, Hohne. Eine extreme Rarität,
denn weltweit existieren nur zwölf Sets.
Der italienische Independent Silver Seal legt hier eine erklärte Hommage vor. Die Cuvée
vereint Rums der Karibik — Demerara aus Guyana, Barbados und Jamaika — in einem Verschnitt,
verfeinert im Sherryfass. Der Alkoholgehalt von 57 % verweist direkt auf die alte Navy
strength, jene, die das Pulver noch brennen ließ. Die Serie ist nummeriert und auf
neunhundertachtzig Flaschen limitiert.
Dies ist die Lesart Luca Garganos, des Mannes hinter Velier. Sein Royal Navy Very
Old Rum verschneidet einen zwanzigjährigen Caroni aus Trinidad, einen fünfzehnjährigen
Guyana-Rum und einen zwölfjährigen jamaikanischen Pure Single, abgefüllt mit 57,2°. Die
Präsenz des Caroni — jener geschlossenen, zum Mythos gewordenen Destillerie — macht diese
Flasche zu einer doppelten Hommage: an die Marine und an den „Geisterrum“ Trinidads.
Das 1979 von Charles Tobias gegründete Haus Pusser's erhielt die Lizenz für das
ursprüngliche Verschnittrezept der Admiralität — eben jenes, aus dem der Tot bestand. Sein
Name kommt von purser, dem für die Vorräte an Bord zuständigen Offizier, den die
Seeleute „pusser“ aussprachen. Die Marke führt einen Teil ihrer Verkäufe an den Hilfsfonds
der Seeleute der Royal Navy ab, den „Tot Fund“. Das Sortiment reicht vom Gunpowder
Proof mit 54,5 % bis zum Blue Label mit 40 %, über einen Fünfzehnjährigen und
Overproof-Versionen.
Eine Ration lässt sich nicht neu abfüllen. Ein Geschmack schon: der eines dunklen,
verschnittenen Rums, gezogen mit der Kraft des Pulvers. Es ist dieses Erbe, das diese sechs
Flaschen zurück ins Glas bringen.